Regeln, die keine sind

Sarah machte sich auf den Weg, auf den langen Weg hinaus ins Leben. Sie war nun volljährig und es wurde Zeit, das Elternhaus zu verlassen. Ihr Bündel war geschnürt, sie hatte ihre paar Habseligkeiten in einem Koffer gepackt, die sie für den Start in den neuen Lebensabschnitt brauchte. Als Letztes nahm sie sich den Rucksack, den ihre Mutter für sie gefüllt hatte. Er war das schwerste Teil des gesamten Gepäcks. Sie schnallte ihn auf den Rücken und fragte sich bereits, ob sie es schaffen würde, diese Tasche über die gesamte Reise hinweg zu tragen.

Als sie unterwegs war, erwartete sie eine lange Straße. Sie war voller Risse und Unebenheiten und es fiel ihr immer schwerer mit dem Rucksack noch gerade zu gehen. Überall um sie herum lag Schotter und es war sehr staubig. Als sie an sich herunter sah, bemerkte sie, dass ihre Hosen von all dem Dreck schon ganz verschmutzt waren.

Am Wegesrand erblickte sie eine Bank und beschloss, sich für einen Moment nieder zu lassen, um sich eine Pause zu gönnen. Sie nahm den schweren Rucksack von den Schultern, stellte ihn vor sich auf den Boden und setzte sich erleichtert. Sie öffnete ihn und sah, dass er angefüllt war mit Steinen. Also nahm sie den ersten, etwas kleineren Stein heraus. Auf ihm war eine Inschrift: „Mit einer staubigen Hose kannst Du Dich aber nirgendwo sehen lassen!“ Erneut blickte sie an sich herunter. Was sollte sie nun tun?
Nach einer etwas längeren Überlegung und einem Abwägen entschloss sie sich den Stein am Wegesrand liegen zu lassen. Als sie weiter ging, merkte sie bereits, dass der Rucksack etwas leichter geworden war.

Nach einer Weile sah sie einen Mann, der den selben Weg ging. Sein Gesicht war sehr freundlich und er half ihr, den Koffer zu tragen. Darüber war sie sehr froh, denn der Rucksack auf ihrem Rücken war immer noch sehr schwer. Der Mann erwies sich als sehr freundlich, gesprächig und steckte voller Herzenswärme, die Sarah sehr genoss.

Als sie ein großes Stück gelaufen waren, kamen sie zu einem Rastplatz. Beide setzten sich erschöpft. Wieder öffnete sie ihren schweren Rucksack und nahm einen weiteren Stein heraus. Der war nun schon etwas größer. Sie las die Inschrift: „Männer sind Schweine, sie wollen nur das Eine!“ Diesen Stein ließ sie kopfschüttelnd fallen und nahm ihren nun viel leichter gewordenen Rucksack, um den weiteren Weg anzutreten.

So wiederholte sich das Szenario noch einige Male und Sarah war immer mehr erleichtert, weil der Ballast auf ihren Schultern immer geringer wurde. Gemeinsam mit ihrem Freund, der nicht mehr von ihrer Seite wich, ging sie nun immer fröhlicher die Straße entlang.

Endlich kamen sie an einem kleinen Haus an und beschlossen, sich dort gemeinsam nieder zu lassen. Aber als sie vor der Tür standen, hatte Sarah große Zweifel. In ihrem Gepäck war noch einer, nämlich der größte aller Steine übrig geblieben. Ein letztes Mal nahm sie den Rucksack von ihren müden Schultern und schaute nach: „Du bist zu nichts zu gebrauchen und wirst es niemals schaffen!“ waren die Worte der Inschrift. Mit einer nie zuvor da gewesenen Entschlossenheit hielt sie den Stein, holte weit aus und warf ihn fort, so weit sie konnte.