Rückfallprävention

Welche Strategien sind sinnvoll und was bringt uns eher nicht weiter?

Als Wichtigstes ist zunächst zu klären, wann ein Rückfall überhaupt beginnt, bzw. ab wann ein Einschreiten notwendig wird.

Meistens kann man es bereits als einen Rückfall bezeichnen, wenn alte Verhaltensmuster wieder aktiv werden, bevor es zum eigentlichen Trinken kommt, denn in der Regel kündigt sich ein Rückfall an und kommt nicht aus heiterem Himmel. So ist es also ein stetiger Lernprozess, die Achtsamkeit so gut wie möglich zu schulen, um bereits im Vorfeld die Signale zu erkennen.

Wer nun an dem Punkt angekommen ist, Signale zu erkennen und zu deuten, muss seinen persönlichen Weg finden, mit der Situation konstruktiv umzugehen. Wir möchten an dieser Stelle einige Möglichkeiten aufzeigen, die aus der Erfahrung Betroffener hilfreich sein können.

Grundsätzlich geht man davon aus, dass der alkoholfreie Haushalt zu den wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen zählt, denn hierdurch wird ein geschützter Rahmen geschaffen, der auch als Fluchtmöglichkeit genutzt werden kann. Auch der Weg, der dann zur Beschaffung zurückgelegt werden muss, spricht dafür, keinen Alkohol im Haus zu haben, denn so entsteht noch einmal Zeit und Gelegenheit, die Entscheidung zu überdenken. Viele Betroffene sagen, dass der ungemütliche Weg zum Laden lebensrettend sein kann.

Weitere gute Voraussetzungen kann man schaffen, indem man insbesondere in der Anfangszeit weder Hunger noch Durst zulässt, denn beides kann dem Verlangen nach Alkohol sehr ähnlich sein.

Einen besonders guten Schutz bietet die innere Stabilität. Diese zu erlangen benötigt Zeit, Geduld und auch geistige und emotionale Arbeit. Ein regelmäßiger Besuch in einer Selbsthilfegruppe ermöglicht nicht nur die Auseinandersetzung mit den eigenen Auslösern, die uns zum Trinken gebracht haben, sondern wir sammeln dort auch eine Menge Lebenserfahrung, die uns auf dem abstinenten Weg unterstützt. Dadurch wird klarer, wie sinnvoll es ist, sich immer wieder mit der Thematik „Sucht“ zu befassen.

Die meisten Alkoholiker berichten davon, wie schwer es ihnen fällt, „Nein!“ zu sagen. Dabei geht es darum, auf sich zu achten und sich beispielsweise keine Aufgaben/Pflichten auferlegen zu lassen, die einen überfordern und somit die eigene Stabilität gefährden. Dies zu lernen kann auch ein längerer Prozess sein, der sich allerdings lohnt, denn dadurch wächst die eigene Zufriedenheit. Im regelmäßigen Austausch mit anderen Gruppenmitgliedern kann man davon profitieren, wie andere Betroffene mit diesem oder ähnlichen Themen umgehen.

Aber auch, wer diese vorbereitenden Sicherheitsmaßnahmen bereits umgesetzt hat, ist vor einer kritischen Situation, die ja eben unvorbereitet auftreten kann, nicht gefeit. Für solche Notfälle gibt es ebenfalls gute Tipps, die helfen, die Gefahr ohne Alkohol zu überstehen. Viele berichten von der positiven Wirkung, die Bewegung haben kann. Aggressionen und/oder andere Spannungen mit Sport zu mindern, erweist sich zumeist als sehr entlastend. Hier bietet sich auch an, dies vorsorglich zu tun, um den inneren Druck geringer zu halten. Außerdem schafft es auch Ablenkung, die in jedem Falle hilfreich ist.

Es ist nicht immer möglich, einer sportlichen Aktivität nachzugehen, weil man beispielsweise gerade den Arbeitsplatz nicht verlassen kann, oder weil man gesundheitlich nicht dazu in der Lage ist, Sport zu treiben. Dann ist es nötig, sich die Ablenkung auf eine andere Art zu verschaffen. Besonders gut sind dabei Gespräche mit anderen Betroffenen, die die Problematik verstehen und damit auch umgehen können. Ist im eigenen Umfeld gerade kein Gesprächspartner verfügbar, bietet es sich natürlich auch an, zu telefonieren oder zu chatten, denn gerade im Chat trifft man zu beinahe jeder Uhrzeit auf Gleichgesinnte.

Ist man in dieser Situation auf sich allein gestellt, empfiehlt es sich, reichlich alkoholfreie Getränke zu sich zu nehmen. Es dämpft nicht nur das Durstgefühl, sondern verschafft auch durch die Handlung Ablenkung und eventuelle Beruhigung, wie sie sich auch durch Meditation, Autogenes Training oder ähnliche Entspannungsübungen einstellen kann.

Wer bereits einen Rückfall hatte, wird sich sicherlich erinnern können, wie schlecht es ihm/ihr damals ergangen ist. Diese Gedanken können oft auch über eine schwere Phase hinweghelfen. Auch die Erinnerung daran, was schon einmal in der Vergangenheit geholfen hat, sich besser zu fühlen, kann abgerufen und genutzt werden.

Einige Therapeuten empfehlen, sich auf derartige Notfälle mit zwei Zetteln vorzubereiten. Der erste Zettel wird mit einem roten Stift beschriftet. Hier zählt man die schlimmsten Ängste auf, die wir mit dem Trinken und den Folgen der Sucht verbinden.
Der zweite Zettel wird mit einem grünen Stift beschriftet. Hier listen wir die Wünsche auf, deren Verwirklichung nur dann möglich ist, wenn wir nüchtern sind und bleiben. Lesen wir zuerst den rot und danach den grün beschrifteten Zettel, kann uns der Effekt stärken, wobei die Signalwirkung der Farben eine wichtige Rolle spielt.

Ebenfalls wird als therapeutische Übung der „Notaus-Knopf“ in Gedanken empfohlen. Es kommt immer wieder vor, dass wir uns in Gedanken verrennen, die uns „runter ziehen“. Auch dies kann ein Auslöser für Suchtdruck sein. Der Gedanke an das innere Bild des Notaus- Knopfes kann uns helfen, die destruktiven Gedanken zu unterbrechen, damit wir nicht in eine Spirale rutschen, in der sich negatives Denken und Suchtdruck aufschaukeln. Es kann auch helfen, sich selbst ein lautes „STOPP!“ vorzusagen, in die Hände zu klatschen o.Ä.

Wichtig ist ein klares „Nein!“ zum Alkohol. Wer dieses „Nein!“ stabilisieren kann, wird mehr und mehr an Sicherheit gewinnen, denn letztlich wissen wir ja, dass kein Zustand ewig dauert. Ein Anflug von Suchtdruck geht in jedem Falle vorüber, auch ohne zu trinken.