Suchtgedächtnis

Suchtgedächtnis Die meisten Menschen wissen, dass ein trockener Alkoholiker nie wieder mit Alkohol in Berührung kommen darf, wenn er keinen Rückfall erleiden möchte. Diese Aussage möchten wir hier ganz eindeutig widerlegen, denn man kann durchaus mit Alkohol in Berührung kommen, ohne eine Gefahr einzugehen. Außerdem gibt es auch eine wichtige Ergänzung zu der oben genannten Aussage, die nur die wenigsten Menschen kennen. Es gibt genügend alkoholfreie Gefahren, die aufgrund ihrer Alkoholfreiheit unterschätzt werden. Die typische Praline kennt jeder, wenn es aber um ein Rumaroma ohne Alkohol geht, stößt man leider immer wieder auf Unverständnis.

Obwohl es nach einem Widerspruch klingt, ist es möglich, Alkohol einzunehmen, während man abstinent lebt. Der Rückfall wird in der Regel nicht durch den Alkohol selbst ausgelöst. So gibt es beispielsweise Medikamente, die Alkohol enthalten, deren Geschmack aber nicht an den des Alkohols erinnert. Diese Medikamente könnte ein trockener Alkoholiker ohne Probleme einnehmen. Das einzige Problem hierbei wird durch die psychische Anhängigkeit ausgelöst. Das Wissen darum, etwas Alkoholisches zu sich genommen zu haben, kann durchaus zum Problem werden. Würde man allerdings unwissend ein alkoholhaltiges Medikament einnehmen, so würde sich überhaupt keine Rückfallgefahr ergeben, weil man nicht mal merken würde, dass man Alkohol eingenommen hat.

Es gibt alkoholfreie Lebensmittel, die wesentlich gefährlicher sind, als ein solches Medikament. So kann man hier zum Beispiel das Rumaroma benennen, welches üblicherweise in verschiedenen Rezepten für Kuchen enthalten ist. Alleine der Geruch dieses Rumaromas löst in vielen Alkoholikern einen Trinkgedanken aus. Kommt man unverhofft in eine solche Situation, entsteht eine sofortige Gefahr. In diesen Momenten ist man erst mal damit beschäftigt, den Trinkwunsch zu verdrängen. Man sollte den Geschmack oder den Geruch des Rumaromas unbedingt loswerden, um sich vor dem Suchtdruck zu schützen, der sonst noch intensiver werden könnte. Diese Situationen sind sehr schwer, und kosten viel Kraft. Ist so eine Konfrontation allerdings nicht ganz unverhofft, ist es entsprechend leichter, damit fertig zu werden. Im Laufe der Abstinenz wird sich allerdings immer klarer herausstellen, welchen Gerüchen und Geschmäckern man lieber aus dem Weg gehen sollte, und was davon man gut vertragen kann. Das ist wirklich eine sehr individuelle Sache.

Die Tatsache, dass das überhaupt so passiert, hängt mit der Aktivierung/Erweckung des Suchtgedächtnisses zusammen. Es wird durch das ständige Widerholen von Zusammenhängen trainiert. So wurde zum Beispiel eine ständige Erleichterung gespeichert, die nach den ersten Gläsern empfunden wurde. Erlebt der damalige Trinker also eine Stress-Situation, in der er sich eine Erleichterung wünscht, so springt das Suchtgedächtnis sofort an, und erinnert ihn daran, dass die gewünschte Erleichterung durch diese ersten paar Gläser erreicht werden könnte. Erschwerend kommt hinzu, dass Alkohol die Lernfähigkeit steigert, so dass sich durch das ständige Reizen des Gehirns noch viel leichter ein Suchtgedächtnis bilden kann, während man noch aktiv in der Sucht handelt. Es ist eine automatisierte Handlung, die man über Jahre lernt. Allerdings werden die Impulse, die vom Suchtgedächtnis ausgehen, immer seltener und immer schwächer, je länger man trocken ist.

Die innere Vorwarnung einer typischen Trinksituation, die jeder sicherlich anders wahrnimmt, ist der Vorteil im Kampf dagegen.

Auch passiert es oft, dass die unscheinbarsten Kleinigkeiten einen massiven Trinkwunsch auslösen können. Das kann zum Beispiel ein Lied sein, das an ein angenehmes Trinkerlebnis erinnert. Vermutlich gab es bei allen Alkoholikern in der ganzen Zeit der aktiven Sucht viele schöne Erfahrungen, die mit dem Trinken verbunden waren. Vielen ging es nicht immer schlecht, wenn sie getrunken hatten. So gibt es zum Beispiel Lieder, Bilder oder andere Gegenstände, die mit dem trinken verknüpft sind. Es bedarf einer neuen Konditionierung und einer Menge Sturheit, diese Dinge vom Alkoholkonsum zu entkoppeln.